- Torven Hartz

Ein Aufbruch

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Mit der Stadtvertretersitzung vom 18.10.2011 bildet die neue Fraktion der Aktiven Demokraten (ADK) die vierte politische Kraft im Kaltenkirchener Rathaus.
Dabei handelt es sich um acht Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die in einer turbulenten Sitzung den Parteien eine Kampfansage gemacht haben. Ich bin einer von ihnen und hier können Sie ausführlich nachlesen, was mich dazu umgetrieben hat!
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Ein Aufbruch

Die Gesellschaft hat sich verändert. Vor noch nicht allzu langer Zeit war es noch so, dass man auf Lobpreisungen und Versprechen der Werbung vertrauen musste.

In der Hoffnung, dass das gepriesene Waschmittel auch wirklich ultra weiß wäscht oder die Arbeiterpartei auch wirklich die Partei des Arbeiters war, hatte man seine Wahl zu treffen. Der Informationsfluss verlief traditionell von oben nach unten – was unten anzukommen hatte, wurde oben entschieden.

Heute ist es hingegen möglich, sich nicht nur in Windeseile zu informieren, sondern auch in Windeseile andere zu informieren. Und es wird auch getan. Und zwar anders als früher nicht mehr über bunte Werbeprospekte zum angepriesenen Produkt. Nein – heute unterhalten sich „Kunden“ untereinander über die Güte eines Produktes direkt. Die Menschen sind es dazu heute längst gewohnt, dass sie sich einmischen können. Das tun sie beispielsweise über allseits präsente Foren in den neuen Medien. Der Kunde äußert sich heute als Experte in eigener Sache mit seinen individuellen Erfahrungen zum Produkt seiner Wahl. Und so macht der Kunde seine Erfahrungen für den Rest der Welt zugänglich.

So erleben wir heute, dass ein Produkt zunehmend von seiner tatsächlichen Qualität abhängig wird, und immer weniger von der dahinter stehenden Marketingstrategie.

Das geht mittlerweile so weit, dass die Produktdesigner dieses Feedback bereits sehr aufmerksam verfolgen MÜSSEN. Denn so fließen heute tatsächlich die Erfahrungen der Kunden direkt in die nächste Produktgeneration ein. Es gibt kein oben und kein unten mehr – stattdessen begegnet man sich heute auf Augenhöhe. Der Kunde als Ideengeber, der erwartet, auch berücksichtigt zu werden, so wie der Produktdesigner, der gar nicht mehr anders kann, als Kritik und Anregung der Kunden einfließen zu lassen, will er nicht vom Markt verschwinden. Denn genau das geschieht aktuell mit all jenen Anbietern, die nach wie vor meinen, dass sie selbst am besten wüßten, was "ihr" Kunde eigentlich will.

Das gleiche Phänomen können wir in der Arbeitswelt beobachten. Mittlerweile scheint man vieler Orts begriffen zu haben, dass auch dort nur das Miteinander überlebensfähig ist. Wer seine Mitarbeiter heute nicht mitreden lässt, der verliert sie, und damit auch seine Chance im Markt. Denn vor allem verzichtet er auf Innovationspotential, das dringend gegen den Mitbewerb benötigt wird. Denn dasjenige Unternehmen, dem es am besten gelingt, das Potential seiner Belegschaft zu heben, wird seinen Markt anführen. Die klassische Vorstellung vom Chef „da oben“, der seine Leute kommandiert, ist bereits von der Realität überholt. Heute zählt der Wertbeitrag, den ein Mitarbeiter zum Unternehmen beisteuert und immer weniger sein Status – ein Chef, der das begriffen hat, reiht sich auf Augenhöhe in seiner eigenen Belegschaft ein, um erfolgreich sein zu können. Unternehmen, die das verinnerlicht haben, setzen sich durch. Unternehmen, die „die alte Zeit“ zu wahren versuchen und auf "Kommando und Kontrolle" setzen, verschwinden immer mehr von der Bildfläche.

Das T-Modell von Henry Frod
Das T-Modell von Henry Frod
Doch was ist nun mit den Parteien?
Die Parteien haben offensichtlich die vergangenen zwei Gesellschaftsphasen gänzlich verschlafen. Mit ihrem Entstehen in der Epoche der Industriealisierung wurden sie als Abbild der damaligen Gesellschaft als strikt hierarchische und statusgläubige Konstrukte geschaffen. Anders als bei der übrigen Gesellschaft, die über die digitale Revolution hinaus bereits längst im Informationszeitalter angekommen ist, hat sich in den Parteien bis heute und nicht ohne Grund der Begriff des dienenden Parteisoldaten gehalten. Die Vorstellung des Hochdienens und Befolgens ist also nach wie vor in den Parteien vorherrschend. Parteien heute funktionieren immer noch wie die Gesellschaft zur Zeit von Henry Ford, obwohl es heute längst keine "T-Models" mehr gibt, sondern die Gesellschaft stattdessen nach "iPhones" verlangt.

Und genau darin liegt für mich auch der Grund für die so genannte Politikverdrossenheit. In Wahrheit handelt es sich nämlich um eine Parteienverdrossenheit.

Die Parteien haben mit der Lebensrealität der Gesellschaft heute nichts mehr gemein. Wer sich über Produkte bei deren Nutzern informiert, bevor er sie selbst kauft anstatt überhaupt noch auf die Werbung zu hören und wer es längst gewohnt ist, dass seine Meinung am Arbeitsplatz gefragt und wirksam ist, der wird sich natürlich nicht als Parteisoldat in einer Partei einreihen, die ihm vorgedachte Meinungen vorsetzt und ihn, so es denn die Kaderspitzen hinter verschlossener Tür so bestimmen, eines Tages vielleicht das ein oder andere Pöstchen angedeihen lassen. Wer selbst einmal hinter den verschlossenen Türen mitmachen möchte, der muss dazu zuerst einmal selbst so werden, wie die, die dort bereits sitzen. Warum aber sollte man das wollen, wenn man mit diesen Eigenschaften in der wirklichen Welt heute gar nicht mehr bestehen kann?

Womöglich ist das auch genau der Grund, warum heute Parteikarrieren sozusagen von Kindesbeinen an in die Parlamente und Vertretungen führen, und nicht mehr der tatsächliche Vertreter des Volkes seinen Weg dorthin findet, der zuvor mit einer handfesten Biografie fest im Leben steht.

Es geht längst schon so weit, dass die Gesellschaft keine leeren Phrasen und Versprechen mehr akzeptiert. Deswegen bleibt sie den Wahlurnen auch immer mehr fern. Heute muss das, was man sagt und das, was man tut in Deckung liegen. Erst der Wertbeitrag überzeugt, nicht aber mehr dessen ledigliche Ankündigung.

Wer heute nicht mehr liefert, was er versprochen hat, der wird in die Bedeutungslosigkeit abgestraft - zu Recht.

Es ist doch ganz klar, dass sich die Bürger unter diesen Vorraussetzungen immer mehr von „ihrer“ Politik abwenden, die schon lange nicht mehr ihre ist, oder vielleicht auch noch nie ihre war.

Damit sich wieder mehr Menschen in der Politik engagieren, muss sich das System öffnen und sich der Lebenswirklichkeit der Moderne anpassen.

Heimlichtuerei hat da keinen Platz mehr und auch kann man sich jegliche Pöstchen für Statisten auf Hinterbänken sparen. Wer mitreden will, der muss auch etwas zu sagen haben! Wer nichts beizutragen hat, hat in den Vertretungen auch nichts zu suchen.

Sie glauben jetzt vielleicht, ich spräche da von den fernen Parlamenten in Berlin oder Kiel. Sicher - auch das! Aber das, was wir an der Spitze sehen, ist schließlich irgendwann einmal von unten herauf gewachsen. Parteien funktionieren so bis in den letzten Winkel.

Und noch viel schlimmer funktionieren sie nicht nur intern so, sondern auch miteinander. Im Prinzip entscheidet ein kleiner Kreis von Funktionären mit entsprechendem Status darüber, wie die Dinge zu laufen haben, während der große Rest als Statisten dabei sitzen "darf".

Der „Kaltenkirchener Klüngel“ beispielsweise ist ein wohl jedem Kaltenkirchener geläufiger Begriff. Sie werden nicht überrascht sein, wenn ich Ihnen nun bestätige, dass es ihn wirklich gibt. Und ganz sicher werden nun diejenigen, die dadurch unweigerlich angesprochen sind auf das Schärfste protestieren. Das ist auch nicht unredlich, denn aus ihrer Sicht laufen die Dinge eben so, wie sie laufen müssen. Dass sie mittlerweile unfähig geworden sind, nach Alternativen zu suchen und in ihrem Trott die Realität ausserhalb des Elfenbeinturms des Rathauses nicht mehr wahrnehmen, das können sie offenbar nicht mehr erkennen. Aber das ist nicht ihr Fehler, denn schließlich sind sie gewählt und die Verantwortung dafür, dass eben diese Leute ihren Trott weiter laufen können, trägt nunmal der Wähler mit seiner Entscheidung aber auch die Bürger insofern selbst, wenn sie keine Alternativen zur Wahl ins Rennen schicken.

Doch sei's drum. Heute ist es eben nunmal in der Tat noch so, wie es eben ist:
Wenige Fraktionsvorsitzende und ein Bürgervorsteher oder eine Bürgervorsteherin, sowie ein Bürgermeister entscheiden hinter verschlossener Tür, worüber geredet wird und vor allem aber auch, worüber nicht geredet wird. Als einfacher Stadtvertreter erfahren sie so erst eine Ewigkeit nach dem Ereignis, dass beispielsweise ein Baumarkt umziehen möchte aber nicht dürfen soll. Und wenn sie es dann erfahren, sollen sie darüber Stillschweigen bewahren. Als Mandatsträger sind Sie permanent mit vollendeten Tatsachen konfrontiert, die kraft Gesetzes doch eigentlich Sie entscheiden sollen. Egal ob in Berlin in der Eurofrage, oder ob in Kaltenkirchen bei der Frage der Zugreduzierung bei den Grundschulen. Eine „Leitlinie“ gibt stets vor, wo der „rechte“ Pfad entlangführt und wehe dem, der sich nicht dran hält!

Aber Gesellschaft tickt heute eben nicht mehr so. Gesellschaft heute kann selbst denken. Sie will nicht wissen, was sie zu tun hat, sie will überzeugt werden, warum sie etwas tun sollte und es dann selbst entscheiden.

Ich gebe zu, dass ich bereits für mich beschlossen hatte, dieser ewigen Gestrigkeit im Schatten des Elfenbeinturms mit Auslauf dieser Wahlperiode den Rücken zu kehren, mir das Ganze einfach nicht mehr anzutun und nicht wieder zu kandidieren. Meine Biografie ist die einer Karriere in der Wirtschaft und nicht die einer Verwaltungslaufbahn. Und letztlich ist auch mein idealistischer Antrieb zur Hege des Gemeinwohls irgendwo einmal begrenzt - spätestens dann, wenn man sich in der Rolle des Don Quichotte begreifen muss.

Ein echter Neuanfang wird mit ihm funktionieren!
Ein echter Neuanfang wird mit ihm funktionieren!
Doch aus dem ganzen Durcheinander mit Herrn Sünwoldt, der Abwahl und letztlich dem leidigen, erneut so typischen Verhalten der Parteien zur anstehenden Wahl des neuen Bürgermeisters ergibt sich nun in meinen Augen eine Chance zur Veränderung – eine Chance auf eben den so vielbeschworenen aber bislang doch nur floskelhaften „Neuanfang“ für unsere Stadt.
Die Bürger werden am 6. November mit der Bürgermeisterwahl eine erste Weiche dahin stellen können. Nur ein einziger Kandidat verspricht für mich dabei die kompetente, visionäre und doch bodenständige Chance auf eine echte grundlegende Veränderung für Kaltenkirchen. Wenn die Stadt mit mir am 6. November diese Hoffnung teilt, dann lohnt auch danach der Kampf für den Wandel in Kaltenkirchen wieder um so mehr!

Es muss anders gehen, es kann anders gehen. Bürgereinbindung kann funktionieren, wenn man nur die Regeln klar und transparent macht. Wenn man einen jeden sich beteiligen lässt, der sich einbringen möchte, ohne hinderliche „Vorzensur“ durch irgendwelche altgedienten Vordenker.

In vielen Gesprächen sind Ideen entstanden, wie politische Teilhabe im Informationszeitalter aussehen müsste. Es entflammte eine neue Leidenschaft für die doch eigentlich immer schon eigene Sache der demokratischen Teilhabe bei all den Menschen, die diese Diksussion mit geführt haben und noch mit führen.

Danach bin ich nun überzeugt, dass es anders gehen kann. Wir wollen es probieren, es vorleben und entwickeln. Heute kann noch Niemand sagen, ob alles so funktionieren wird, wie man es sich jetzt vielleicht schon vorstellt und wohin der Weg letztlich führt. Aber wir werden es versuchen. Und Sie werden dabei mitwirken können, direkt, gerade heraus und absolut auf Augenhöhe.

Machen Sie mit für unser aller Wohl. Die einzige Vorraussetzung, die Sie mitbringen müssen: Sie müssen eine eigene Meinung haben. Vertreten Sie diese Meinung offen. Wir wollen dafür sorgen, dass ganz transparent für jeden ersichtlich wird, wie sich aus vielen einzelnen Standpunkten ein demokratischer Kompromiss ergibt. Wir wollen Wege entwickeln, in denen sich der Einfluss des Einzelnen auf das Ganze auch wirksam abzeichnet und zwar nachvollziehbar, anstatt in einer glattgeschliffenen Leitlinie oder letztlich gar einem Fraktionszwang unter zu gehen.


In einer Gesellschaft, die sich tagtäglich immer wieder neu selbst erfindet, hat eine alte und statische Struktur von Politik und Demokratie keine Daseinsberechtigung mehr. Erfinden wir also auch Politik und Demokratie wieder neu, damit sie in unsere moderne Gesellschaft zurückkehren kann!

Wir wollen das nun für Kaltenkirchen tun bzw. zumindest versuchen. Wir wagen den Neuanfang!
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