Torven Hartz

Denn sie wissen nicht was sie tun

Worum geht es?
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Da schreibt das Stadtmagazin-Kaltenkirchen von einer Manipulation bei der "Sünwoldt Abstimmung". Dazu wird martialisch mit dem Bild eines mit Laptop bewaffneten und mit Sturmmaske vermummten "Täters" auf dem Titelbild eröffnet. Haben womöglich Cyberterroristen das Kaltenkirchener Rathaus ins Fadenkreuz genommen? Ist womöglich unsere ganze Demokratie in Gefahr?

Nach kurzem Lesen wird zumindest schon mal klar, dass nicht das Abwahlverfahren selbst manipuliert wurde, sondern lediglich die technisch anspruchslos aufgesetzte Internetumfrage der eigenen Zeitung. Schade, dass wahrscheinlich sehr viele Menschen nur das Titelbild wahrnehmen und gar nicht erst den Artikel lesen.

Wer ihn dann doch liest, der kann darin vernehmen, dass die erfolgte Manipulation nur unter "erheblichem Aufwand" umzusetzen sei.
Wer nun die technischen Zusammenhänge nicht beurteilen kann, könnte in der Tat zu dem Eindruck gelangen, dass hier Kriminelle am Werk gewesen sein mussten. Doch die Realität ist eine ganz andere.

Wie sieht das ganze zum Beispiel bei uns zu Hause aus? Als überzeugter Energiesparfetischist ist unser Internet-Modem so konfiguriert, dass es nur während der wenigen Stunden eingeschaltet ist, die wir zu Hause und zudem auch noch wach sind.
Dementsprechend schaltet sich das Modem jeden Tag zu bestimmter Zeit selbst ein und holt sich von unserem Netzanbieter eine sogenannte "dynamische IP-Adresse" . Das ist besagtes Erkennungszeichen, an dem das Stadtmagazin erkennen will, dass es sich um stets den gleichen Nutzer handelt. Bei uns klappt das also schon mal nicht, denn da die Adresse wie der Name schon sagt "dynamisch" ist, wird uns nach jedem neuen Einschalten eine Neue zugeteilt.

Und siehe da, jeden neuen Tag, den ich auf die Seite des Stadtmagazins surfte, wurde ich erneut gefragt, ob ich für die Abwahl Herrn Sünwoldts wäre. Und da ich in dieser Sache nicht sonderlich unter Wankelmut leide, klickte ich natürlich beherzt auf ja um danach den Stand der Dinge einsehen zu können.

Somit stammen über die wenigen Wochen der Umfrage mit Sicherheit mindestens 20 Stimmen von mir. Damit dürfte es wohl amtlich sein - ich, Torven Hartz, bin ein Cyberterrorist.

Aber mich meinte das Stadtmagazin wohl gar nicht , denn es sprach schließlich von aufwändigen Attacken von ausländischen Servern aus. Nun ja - Mit "aufwändig" ist dabei wohl jenes Verfahren gemeint, welches bereits während der Diskussion um einzuführende "Internet-Sperren" in den Verruf krimineller Machenschaft gerückt wurde, um diese technisch höchst unsinnigen Sperren zumindest politisch in ein positives Licht zu rücken.

Worum geht es dabei? Es gibt eine Menge Internetinhalte, die beispielsweise aus urheberrechtlichen Gründen in Deutschland nicht verfügbar sind - zum Beispiel auf verschiedenen Videoportalen. Möchte man diese dennoch anschauen, kann man einen sogenannten "Proxyserver" verwenden - das ist sozusagen eine Vermittlerstation in einem Land, in dem die gesuchten Inhalte frei zugänglich sind. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, als wenn man sich von einem Freund im Ausland per Postpaket eine Delikatesse schicken lässt, die es eben nur dort gibt.

Nun kann man von einem solchen Proxyserver aus natürlich auch wiederum Internetseiten "zu Hause" aufrufen. Wer weiß wie es geht, der richtet so etwas in nicht einmal einer halben Minute ein. Wer es nicht weiß, braucht drei Minuten länger, um sich das Anleitungsvideo auf Youtube vorher anzuschauen.

Nun ja - wenn man mit dem Internet nichts am Hut hat, dann versteht man nun vielleicht nur böhmische Dörfer. Ich gehöre nun schon wie viele Andere zu einer Generation, die mit Computern groß geworden ist und mit ihrer Hilfe auch seinen Lebensunterhalt verdient. Und so ist diese wahrlich schlecht gemachte "Umfrage" des Stadtmagazins unter halbwegs kundigen Nutzern schnell zu einer Art "Running Gag" geworden, über den sogar längst öffentlich beispielsweise auf Facebook geflachst wurde.

Und so wäre das ganze ja auch wahrlich lustig, wenn es nach dem jüngsten Artikel des Stadtmagazins nicht zugleich auch so entsetzlich traurig wäre.

Denn was ist passiert? Da macht eine Zeitung eine technisch überaus schlechte Umfrage und suggeriert dann über dessen unrepräsentatives Resultat mit reißerischer Überschrift eine Wahlmanipulation mit kriminellem Hintergrund.
Da frage ich mich doch, ob den Herren und Damen Journalisten bei diesem Magazin eigentlich bewusst ist, welch hohes Gut das Vertrauen in die Korrektheit demokratischer Wahlen in Deutschland ist und welchen Aufwand der Staat letztlich treibt, damit es nicht zu Manipulationen bei wirklichen Wahlen kommen kann.

Wie wird nun ein Bürger reagieren, der diesen Fauxpas des Stadtmagazins technisch nicht bewerten kann? Richtig: er verliert weiter das Vertrauen in die politische Auseinandersetzung, schlimmstenfalls in die Macht der eigenen Stimme. Das ist Politikverdrossenheit made by Stadtmagazin.


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