Torven Hartz

Bildungschips für Kinder sind der falsche Weg


Mittlerweile wird gar nicht mehr hinterfragt, warum der Staat eigentlich einem "Hartz IV Kind" ein maßgeschneidertes "Bildungsangebot" an jeglicher Einflußmöglichkeit seiner Eltern vorbei zukommen lassen muss. Fast wie selbstverständlich wird mittlerweile davon ausgegangen, daß man diese Mittel für die Kinder davor bewahren muss, für Alkohohl, Zigaretten oder dem berühmten Flachbildschirm "verbraten" zu werden, anstatt in Büchern, Nachhilfe oder Schulmaterial für die Kinder.
Wie weit haben wir uns da als Gesellschaft doch mittlerweile in ein vernichtendes Urteil treiben lassen!? Es gibt annähernd acht Millionen Hartz IV Empfänger in unserem Land. Wollen wir all denen allen Ernstes kollektiv jegliches Verantwortungsbewußtsein absprechen?

Und wie soll das dann im Detail aussehen? Ich stelle mir vor, daß eine Familie ihrem Kind gerne ein gebrauchtes Paar Kletterschuhe kaufen würde, damit der Vater es mit in die Kletterwand nehmen könnte. Das wäre gut für das Balancegefühl als auch die Konzentration des Kindes. Das Erfolgsgefühl beim Erklimmen eines Gipfels trüge sein übriges zur Persönlichkeitsentwicklung des Kindes bei. Aber die Familie kann nicht. Das Geld wäre zwar da, aber es ist gebunden auf einer Chipkarte, die der nette Verkäufer auf dem Flohmarkt leider nicht belasten kann. Also kein Klettern - stattdessen ein Besuch eines staatlich für gut befundenen Angebotes.
Nur ein Beispiel - jedoch eines, daß sich in beliebigen Facetten wiederholen ließe.
Wieviele verantwortungsbewußte Eltern werden wir also an der freien Entscheidung hindern? Wieviele verantwortungslose Eltern werden wir auf diesem Wege zu mehr Verantwortung zwingen? Wieviele Kinder werden wir so davor beschützen, ihnen zustehende Zuwendungen nicht zu erhalten?
Und glauben wir eigentlich allen Ernstes, daß wir die Defizite innerhalb solcher Familien wirklich mit der Chipkarte aus der Welt schaffen könnten?

Solche Defizite gibt es schließlich nicht nur bei Hartz IV Familien - es gibt sie in allen möglichen Familien- bis hin zu den Bestsituierten.
Sicherlich mit statistisch abnehmender Tendenz. Doch bei welcher Einkommensschwelle wäre sinnvoller Weise die Grenze zu ziehen, ab der man die Bevormundung der Eltern unterläßt?

Ich bin der Überzeugung, daß wir uns auf die Mitte konzentrieren müssen und nicht auf die Randerscheinungen. Und die Mitte besteht eben aus ganz normalen Eltern, die sich redlich bemühen, ihre Kinder nach Kräften gut zu erziehen - ganz unabhängig vom Einkommen. Am Rande ist es manchmal nicht so. Nur kann das nicht bedeuten, daß man deswegen die überragende Mehrheit der Redlichen entmündigt.
Vielmehr müssen wir in solchen Fällen unser längst vorhandenes Instrumentarium in Gang versetzen. Wird ein Kind vernachlässigt, so ist das ein Fall für das Jugendamt über das der Staat dann aktiv eingreifen muss und zwar unabhängig davon, ob die Eltern arbeitslos oder superreich sind.

Und das Fazit daraus?
Das Bundesverfassungsgericht hat nicht die erzieherische Leistung von Hartz IV Empfängern als Eltern bemängelt, so wie man es aus der öffentlichen Diskussion ableiten müsste. Vielmehr hat das Bundesverfassungsgericht bemängelt, daß die Berechnung der Hartz IV Sätze für Kinder nicht transparent ist und das womöglich notwendige Aufwendungen für die Bildung der Kinder nicht berücksichtigt sind.
Insofern kann es nur darum gehen, den Bedarf von Kindern transparent auszuleuchten und darüber eine Summe zu bestimmen. Und diese Summe gehört dann ganz schlicht in die gesamten Bezüge der Bedarfsgemeinschaft eingerechnet.
Weitere bürokratische Monster in Form von Bildungschipkarten befeuern nur eine Scheindebatte, die letztendlich viel kostet, das System noch unhandlicher macht und letztlich kein einziges Problem löst.


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Ihr Stadtvertreter für Kaltenkirchen


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